Solaranlage kaufen oder mieten? Ehrlicher Vergleich 2026
Wer 2026 über eine Solaranlage nachdenkt, steht bei vielen Anbietern vor der Frage: Kaufen oder mieten? Enpal ist mit über 120.000 installierten PV-Anlagen Marktführer beim Mietmodell, andere Anbieter wie EIGENSONNE sind nach Insolvenz vom Markt verschwunden. Wir zeigen dir, was die Optionen über 20 Jahre kosten, was Verbraucherzentrale, Finanztip und ADAC empfehlen und für wen sich Miete trotz höherer Gesamtkosten lohnen kann.
Die kurze Antwort vorab
Über die volle Laufzeit von 20 Jahren ist der Kauf einer Solaranlage rund 25.000 bis 35.000 € günstiger als die Miete bei Enpal. Verbraucherzentrale, Stiftung Warentest, Finanztip und ADAC empfehlen 2026 den Kauf, oft mit KfW-270-Finanzierung. Das Mietmodell hat Gesamtkosten, die zwei- bis dreimal so hoch sind wie der Direktkauf. Es lohnt sich primär für Haushalte ohne Eigenkapital und ohne KfW-fähige Bonität, die Wert auf Vollservice und Festpreis-Garantie legen.
0 Prozent MwSt nur beim Kauf
Beim Kauf von PV-Anlagen auf Wohngebäuden gilt der Nullsteuersatz nach § 12 Abs. 3 UStG. Bei klassischer Miete fallen 19 Prozent Mehrwertsteuer auf jede Monatsrate an. Das verstärkt den Kostenunterschied zugunsten Kauf.
Wer bietet 2026 noch Miete an?
Der Markt für PV-Mietmodelle hat sich seit Ende 2023 verändert. Mindestens drei Anbieter (EIGENSONNE, der Nachfolger AMIA Energy und zolar) sind ausgestiegen oder insolvent gegangen. Stand Mai 2026 sind diese Anbieter aktiv:
Enpal
Marktführer mit über 120.000 installierten PV-Anlagen. Bietet 20 Jahre Laufzeit mit Festpreis-Garantie ohne Inflationsanpassung. Nach 20 Jahren übernimmst du die Anlage für 1 €, alternativ kostenfreier Abbau. Vorzeitige Übernahme ist möglich, aber kostspielig (Restwert-abhängig).
Klarsolar
Anbieter aus Leimen mit Kauf- und Mietoptionen. Konditionen ähnlich zu Enpal, etwas kleinere Marktpräsenz.
DZ-4, Yello Solar, Entega, Sunvigo
Kleinere Mietanbieter mit teils regionalem Fokus. Konditionen variieren stärker. Vor Vertragsabschluss unbedingt Bonität und Insolvenzrisiko des Anbieters prüfen.
Wer kein Mietmodell mehr anbietet
EIGENSONNE meldete im Dezember 2023 Insolvenz an. Der Nachfolger AMIA Energy musste im Mai 2024 ebenfalls Insolvenz anmelden, eine Fortführung über AMIA Energy Solutions läuft seit Juli 2024. Bestandskunden hatten in beiden Fällen Probleme mit Service und Garantien. zolar hat das Mietmodell zolar Wow Anfang 2023 für Neukunden ausgesetzt und Ende 2024 das Privatkundengeschäft komplett beendet. 1KOMMA5° hat bewusst nie ein Mietmodell aufgesetzt und positioniert sich öffentlich gegen das Modell.
Insolvenzrisiko ernst nehmen
Die EIGENSONNE-Pleite hat über 30.000 Bestandskunden mit ungelösten Service-Problemen zurückgelassen. Bei einem 20-Jahres-Mietvertrag ist die finanzielle Stabilität des Anbieters genauso wichtig wie die monatliche Rate. Vor Vertragsabschluss lohnt ein kurzer Blick in den Bundesanzeiger auf den letzten Jahresabschluss des Anbieters.
Kostenvergleich über 20 Jahre
Wir rechnen am Beispiel der häufigsten Anlagenkonfiguration: 10 kWp Photovoltaik plus 10 kWh Heimspeicher. Verbrauch im Haushalt: 4.500 kWh pro Jahr.
Variante 1: Kauf mit Eigenkapital
Variante 2: Kauf mit KfW-270-Kredit
Bei einem Effektivzins von 3,8 Prozent über 15 Jahre Laufzeit zahlst du auf 20.000 € rund 6.270 € Zinsen. Monatliche Rate: 146 €. Nach Tilgung produziert die Anlage weitere 5 Jahre kostenlosen Strom. Gesamtkosten 20 Jahre: 27.000 bis 31.000 € inklusive Wartung und Wechselrichter-Tausch.
Variante 3: Miete bei Enpal
Vergleichswert: Bei Enpal zahlst du über 20 Jahre rund 56.400 €. Beim Kauf mit Eigenkapital nur rund 24.000 €. Der Aufpreis für die Miete liegt bei rund 32.000 €, also der Wert einer kompletten zweiten Anlage. Wartung, Versicherung und Reparaturen sind bei Enpal allerdings im Preis enthalten.
Versteckter Aufpreis der Miete
Über die 20 Jahre zahlst du bei Enpal rund 32.000 € Aufpreis gegenüber dem Direktkauf. Wartung, Versicherung und Reparaturen sind enthalten, decken aber nur einen Bruchteil dieser Differenz ab. Die in einigen Vergleichen genannten 5,99 Prozent Effektivzins gelten für Enpals separates Kauf-Finanzierungsprodukt EasyFlex, nicht für die Miete selbst. Der KfW-270-Kredit kostet effektiv 3,76 bis 3,80 Prozent (Stand April 2026) und ist die wirtschaftlich günstigste reguläre Finanzierung.
Vor- und Nachteile im Detail
Miete: Vorteile
- Kein Eigenkapital nötig: Einstieg ohne Bankkredit oder Liquidität
- Vollservice: Wartung, Versicherung und Reparatur sind inklusive
- Festpreis-Garantie: Monatsrate bleibt bei seriösen Anbietern wie Enpal über 20 Jahre stabil
- Komponententausch inklusive: Wenn Wechselrichter oder Speicher nach 12 Jahren ausfallen, zahlt der Anbieter
- Bürokratie übernommen: Anmeldung beim Netzbetreiber, Marktstammdatenregister, Steuer-Themen
Miete: Nachteile
- Gesamtkosten zwei- bis dreimal so hoch wie Kauf
- 20 Jahre Vertragsbindung mit erschwerter vorzeitiger Kündigung
- Kein Eigentum, kein Vermögensaufbau
- Insolvenzrisiko des Anbieters trifft Bestandskunden hart
- 19 Prozent MwSt auf jede Monatsrate (außer bei expliziter Eigentumsübergangs-Klausel)
- Bei Hausverkauf: Käufer muss Vertrag übernehmen oder Verkäufer ablösen
- Eigenverbrauchsdefinition kann zwischen Anbietern variieren
Kauf: Vorteile
- 0 Prozent MwSt nach § 12 Abs. 3 UStG (spart bei 20.000 € rund 3.800 €)
- Eigentum und Vermögensaufbau
- Geringere Gesamtkosten über 20 Jahre
- Freie Wahl des Service-Betriebs nach Hersteller-Garantie
- KfW-270-Finanzierung mit aktuell 3,8 Prozent effektiv möglich
- Anlage erhöht meist den Verkaufswert des Hauses
- Nach Tilgung kostenloser Strom für weitere Garantie-Jahre
Kauf: Nachteile
- Eigenkapital oder Kreditrisiko nötig
- Wartung und Versicherung selbst zu organisieren (100 bis 250 € pro Jahr)
- Garantieabwicklung bei Defekten in eigener Hand
- Wechselrichter-Tausch nach 12 bis 15 Jahren (1.500 bis 2.500 €)
- Bei Anbieter-Insolvenz Verlust der erweiterten Hersteller-Garantien möglich
Wann Miete trotzdem sinnvoll sein kann
Trotz der höheren Gesamtkosten gibt es Lebenslagen, in denen Miete passt. Verbraucherzentrale und Finanztip nennen diese Bedingungen:
- Kein Eigenkapital für die Anzahlung und keine KfW-fähige Bonität für einen Kredit
- Vollservice ist wichtiger als Eigentum (Wartung, Garantie, Reparatur ist Anbietersache)
- Risiko-Aversion gegenüber technischen Defekten
- Kein geplanter Hausverkauf in den nächsten 20 Jahren
- Anlage soll nach 20 Jahren wieder verschwinden (Enpal demontiert kostenlos)
Wann Miete eindeutig die schlechtere Wahl ist
- 10.000 € oder mehr Eigenkapital verfügbar
- Hausbank oder KfW signalisieren Kreditwürdigkeit (KfW 270 Effektivzins ab 3,8 %)
- Langfristige Wohnplanung oder Vererbung
- Verkaufswert des Hauses soll erhöht werden
- Technisches Interesse, Wartung wird selbst koordiniert
Was passiert bei Umzug oder Hausverkauf?
Bei Miete
Du hast bei den meisten Mietverträgen zwei Optionen: Der Hauskäufer übernimmt den Vertrag mit allen Konditionen, oder du löst den Vertrag vorzeitig ab. Die Ablösesumme entspricht dem Restwert-Anteil und kann in den ersten 5 bis 10 Jahren noch über dem Anlagenwert liegen, weil ein großer Teil der Miete bisher Service- und Versicherungs-Komponenten war.
Praktisches Problem: Wenn der Hauskäufer den Mietvertrag nicht möchte, musst du als Verkäufer ablösen. Das kann bis zu 30.000 € kosten und den Hausverkauf erschweren. Bei Enpal sind solche Übergänge zwar geregelt, aber nicht garantiert reibungslos.
Bei Kauf
Die Anlage geht mit dem Haus über und steigert meist den Verkaufswert. Eine Auswertung des ImmoScout24 WohnBarometer (Q2 2024 gegenüber Q2 2021) zeigt für Häuser mit installierter PV-Anlage rund 20 Prozent höhere Quadratmeter-Preise im Schnitt, kombiniert mit einer Wärmepumpe sogar bis zu 50 Prozent. Falls der Käufer die Anlage explizit nicht möchte, kostet die Demontage 1.500 bis 3.000 €.
Vertrags-Fallstricke beim Mietmodell
Die Verbraucherzentrale bietet kostenpflichtige Vertragsprüfungen über die Energieberatung an. Die Preise variieren je Bundesland zwischen 30 und 90 € pro Termin. Auf folgende Klauseln solltest du besonders achten:
- Inflationsanpassung: Manche Anbieter erhöhen die Monatsrate jährlich um 2 bis 3 Prozent. Aus 150 € werden so im 20. Jahr 220 €
- Eigenverbrauchsdefinition: Wer profitiert vom selbst genutzten Strom? Bei manchen Verträgen wird der Eigenverbrauch nochmal verrechnet
- Vorzeitige Kündigung: Wie hoch ist die Ablösesumme in Jahr 5, 10, 15?
- Leistungsgarantie: Was passiert, wenn die Anlage weniger Strom produziert als versprochen?
- Service-Reaktionszeiten: 24 Stunden, 72 Stunden oder erst beim nächsten Werktag?
- Versicherung: Wer übernimmt Schäden durch Sturm, Hagel, Blitz?
- Übernahme nach 20 Jahren: 1 € symbolisch oder Marktwert? Letzteres kann teuer werden
Rechtskritik der Mietverträge
Verbraucherrechtskanzleien wie WBS Legal weisen in Online-Beiträgen darauf hin, dass viele PV-Mietverträge wirtschaftlich Leasing-Charakter haben, aber als Miete deklariert sind. Pflichtangaben zum Effektivzins fehlen in vielen Verträgen, weshalb einzelne Verträge unter bestimmten Bedingungen anfechtbar sein könnten. Bei Zweifeln zur Verbraucherzentrale oder einem Fachanwalt für Verbraucherrecht.
Konsens der Verbraucherschützer
Wer 2026 nach unabhängigen Empfehlungen sucht, findet bei Verbraucherzentrale, Stiftung Warentest, Finanztip und ADAC ein einheitliches Bild: Kauf, gegebenenfalls finanziert über KfW 270, ist in den meisten Fällen wirtschaftlich überlegen. Über 20 Jahre summiert sich der Vorteil auf 25.000 bis 35.000 €.
Einzig anbietereigene Studien (vor allem Enpal-Studien) argumentieren pro Miete. Das ist wenig überraschend, da Enpal das Geschäftsmodell verkauft. Wer eine ausgewogene Empfehlung sucht, sollte vor allem unabhängige Quellen heranziehen.
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Häufige Fragen zu diesem Thema
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